Wen interessiert schon Europa?

Am 25. Mai diesen Jahres dürfen wir in Deutschland unsere Stimme für die Europawahl abgeben. Doch wirklich zu interessieren scheint das niemand. Weder in der öffentlichen Berichterstattung, noch durch Plaketwerbung oder Diskussionen im Alltag kommt diesem Thema die Aufmerksamkeit zu, welche es eigentlich verdient hätte.

Ist uns Europa egal?

Diese Frage kann man wohl eher verneinen als bejahen. Der Aufschrei in der Gesellschaft ist groß wenn ein Mitgliedsland gegen Richtlinien verstößt, sich anders verhält als gewünscht oder EU-feindliche Parolen verkündet. Doch wenn dann eine Wahl ansteht ist diese meist nur zweitrangig. Viele Wähler sehen in der Europawahl immer noch die Möglichkeit nationale Parteien abzustrafen, obgleich es um gänzlich andere Thematiken geht. Desweiteren ist den wenigsten bewusst in welch großem Ausmaß das Europaparlament, die Kommission oder sonstige Organe der EU in unser Leben eingreifen. Gerade deshalb wäre es wünschenswert, wenn eine Debatte in der Öffentlichkeit darüber aufkommen würde warum man Wählen gehen sollte.

Hier gilt aber auch ein Wink an die deutschen Parteien. Man hütet sich seit der Bundestagswahl im vergangenen Jahr mit Speerspitzen in Richtung Opposition oder Regierung zu schießen. Ein bisschen mehr Aggressivität in der Wahlkampfführung (sollte es denn tatsächlich in den nächsten Wochen so etwas noch geben) täte allen Beteiligten gut. Die Wähler müssen erkennen, dass es auch in Europa diverse Standpunkte zu vertreten gilt. Sei dies die wirtschaftliche Ausrichtung oder Ausgestaltung von Menschenrechten. Ganz egal darf es uns dann schlussendlich doch nicht sein wer gewählt wird. Zu viel nationalistisches Gedankengut schwappt in anderen Ländern Europas umher. Daher sollte jeder die Möglichkeit dieser demokratischen Beteiligung am 25. Mai nutzen und wählen gehen. EU-Politik ist vielleicht nicht immer spannend, dafür aber ungemein wichtig! Denn spätestens wenn wir wieder einmal in den Urlaub fahren werden wir in den Genuss von den vielen kleinen Vorteilen der Europäischen Union kommen.

Album der Woche – Mighty Oaks “Howl”

Diesmal bekommen wir es mit den Herren der deutschen Bahnd Mighty Oaks zu tun. Die Gruppe hat Ende Februar dieses Jahres ihr erstes Album veröffentlich und schwimmt nun ganz weit oben auf der Welle des Erfolgs.
Mighty Oaks, das sind Ian Hooper, Claudio Donzelli und Craig Saunders. Ein Amerikaner, ein Italiener und ein Engländer, welche sich in Berlin zusammengetan haben um ihre Folkmusik zu zelebrieren. Die internationale Besetzung verspricht nicht nur eine kulturelle Diversität, sondern kann dies auch auf ihre Songs übertragen.
Die Band erinnert von ihren Melodien, ihrer Art und Weise wie sie Stücke performen und dem überragenden Debüt sehr an Mumford and Sons.

Die Single “Brother” läuft derzeit auf diversen Radiosendern und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis die nächste Singleauskopplung folgen wird.

Der erste Song des Albums ist dann eben “Brother” und handelt von Träumen und Wünschen, vom Gefühl sich auf jemanden absolut verlassen zu können und einfach frei zu sein. Wunderschön gespielt und mehr als nur ein Ohrwurm. Weiter geht es mit “Seven Days”, sowie “Back to you”. Ein bisschen ruhiger lassen es die 3 hier angehen. Jeweils ein Zwischending von Balade und Folkpop. In Back to you kommt nachdem sie zusammen in den Chor einstimmen fast Gänsehaut auf. “When I dream, I see” reißt ein bisschen aus dem Indiefolk aus, ist wirklich stark baladenmäßig inszeniert aber wunderschön. “Just one day” ist für mich der Höhepunkt des Albums.

http://www.youtube.com/watch?v=KOBVHdrfOkY

Mit immer wieder kleinen Pausen im Lied, einem stimmigen Refrain und dem Mut Refrain und Vers miteinander verschmelzen zu lassen entsteht hier etwas vollkommenes. Durch das Tempo des Songs wird man geradezu mitgerissen. Man wippt automatisch mit, nimmt den Beat auf.

“Shells” & “You saved my soul” sind erneut ruhiger und nachdenklicher gestaltet. “The golden Road” ist für mich das schwächste Lied des Albums. Es klingt für mich nicht ganz fertig gedacht. Die Idee ist schön, aber es fehlt mir etwas Elan in der Stimme des Leadsängers. Gegen Ende des Albums legen sie dann aber nochmal eine ordentliche Schippe drauf und zeigen mit “Horse” und “Howl” nochmals wie gut sie sind. Trotz oder vielleicht vor allem weil es das erste Album der Band ist überzeugen sie mit einer wunderschön hangemachten Scheibe. Ohne Autotunes oder sonstigen Zusätzen. Nur die Instrumente und die Stimme steht im Vordergrund. So entsteht ein wunderbares Album, welches für den Frühling wie gemacht zu sein scheint!

Meine Wertung 4,0 von 5 Sternen.

Geld schießt eben doch nicht immer Tore!

Die Meisterschaft ist schon lang entschieden, doch die restlichen Entscheidungen sind spannend wie nie. Wer steigt ab? Wer schafft noch den Sprung in die Championsleague und wer darf noch auf einen Startplatz im internationalen Geschäft hoffen?

Etwas mehr als nur Randnotiz dürfte dabei sein, dass auch diese Saison mehrere Mannschaften mit verhältnismäßig kleinem Etat es schaffen die großen Teams zu necken. Eintracht Braunschweig war nach der Hinrunde bereits gänzlich abgeschrieben, drehte dann allerdings in der zweiten Saisonhälfte nochmals auf. Mit einem unbändigen Willen kämpfte die Mannschaft und belohnte sich nun mit dem wieder in Sichtweite gekommenen Relegationsplatz. Ebenso der SC Freiburg. Mit starken Leistungen zuletzt gegen Hamburg, Bremen und Nürnberg konnte man sich Stand heute bis auf Platz 13 verbessern und die Ansprüche auf den Verbleib in Liga 1 deutlich unterstreichen. Deutlich weiter oben stehen Augsburg und Mainz. Beide Mannschaften mit einem geringen Etat ausgestattet, welcher eher auf einen Platz im unteren Drittel, beziehungsweise maximal gesichertes Mittelfeldplatz hindeuten würde, spielen frech auf und stehen auf Platz 8 & 6. In Augsburg haben sie den nächsten Kandidaten für Löw mit Andre Hahn großgezogen, in Mainz eine mannschaftliche Geschlossenheit entwickelt, welche die Liga beeindrucken. Ligagrößen wie der HSV und Stuttgart scheitern an nicht vorhandenen Spielkonzepten und mangelnder Einstellung. Mit ihrem Lizenzspieleretat gehören sie zu den Topvereinen der Bundesliga. Doch kontinuierliches Arbeiten wird dort leider sehr klein geschrieben. Der HSV seit Jahren das Sorgenkind der Liga, wechselt Trainer wie Saisonmode und der VFB schafft es nicht ein Konzept aufzubauen und durchzuhalten, wie es eigentlich propagiert wurde. Aus den neuen jungen Wilden wurden mittlerweile die überforderte Truppe “Jugend forscht”. Stuttgart wäre es noch eher zu gönnen den Klassenerhalt zu schaffen, hier scheint wenigstens ein Konzept vorhanden zu sein. Wieder Identifikation mit dem Publikum zu suchen. Junge Spieler aus den eigenen Reihen groß zu ziehen. Der HSV hingegen wird, sollte er den Klassenerhalt schaffen, vor einer Zerreisprobe stehen. Die Mannschaft muss neu strukturiert werden, ein Konzept muss vorgelegt werden wie man sich entwickeln möchte anstatt Geld in abgehalferte Altstars zu investieren. Folglich Hut ab vor Augsburg, Mainz, Freiburg und wie sie noch alle heißen. Trotz wenig Geld kann durch Zusammenhalt und Einstellung einiges erreicht werden.

Der Fall Hoeneß. Der Rechtsstaat siegt.

Uli Hoeneß wird in den nächsten Tagen seine Zelle in Landsberg beziehen. Was ihn dort genau erwartet, darüber versuchen sämtliche größeren Medienplattformen zu berichten (Bsp. http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/wer-im-gefaengnis-schon-einsass-das-erwartet-uli-hoeness-in-landsberg/9626198.html#image).

Doch was bedeutet die Haftstrafe für Hoeneß in der Öffentlichkeit? Der arme Samariter muss ins Gefängnis? Oder jeder ist vor dem Gesetz gleich?

Bei Umfragen in den deutschen Städten zeigte sich ein sehr differenziertes Meinungsbild. Es gab etliche Bürger, welche Hoeneß mit einem blauen Auge hätten davon kommen lassen, da er sich in vielen Situationen als barmherziger Edelmann gezeigt hatte und Klubs wie St. Pauli vor der Pleite bewahrt hat. Doch der Großteil der Bevölkerung wollte gerechte Bestrafung für sein Vergehen, für das Hinterziehen von Millionen von Euro. Schlussendlich wurde genau diese Erwartung erfüllt und der ehemalige Präsident des FC Bayern München wurde zu 3,5 Jahren Haft verurteilt. Doch was bleibt nun nach Verkündung des Urteils hängen?

Einerseits wird sicher positiv in Erinnerung bleiben, dass auch Stars nicht unantastbar sind und sich genauso zur Rechenschaft verpflichten müssen wie dies der Durchschnittsbürger zu tun hat. Nur wer reich ist oder berühmt, der kann nicht einfach Rechtsgesetze außer Kraft legen. Er wird genauso behandelt wie jeder andere auch. Und das ist auch richtig so!

Andererseits muss man feststellen, dass dieser Betrug von Hoeneß nur durch Recherchen des Sterns aufgedeckt wurde. Die Justiz oder das Finanzamt wussten bis dato nichts von den Millionen, welche in der Schweiz ruhten. Kann man also das Risiko auf sich nehmen und versuchen Steuern zu hinterziehen, da doch die Chancen entdeckt zu werden sehr gering sind? Nein. Dies ist nicht der Fall. Es zeigt sich, dass spätestens auf lange Sicht der Rechtsstaat gewinnt und jede Straftat aufgedeckt wird. Auch wenn dies nicht im ersten Anlauf gelingt sollte der Fall Hoeneß ein Exempel dafür sein, dass es sich nicht lohnt Risiken einzugehen. Der Rechtsstaat siegt.

Die FDP auf Selbstfindungskurs

Christian Linder. Das selbsternannte Bambi der FDP war während der Fasnachtstage fleißig unterwegs um Sympathien für sich und seine Partei zu gewinnen. Nachdem die FDP aus dem Bundestag geflogen ist bedarf es einer noch größeren Anstrengung um im Gedächtnis der Bürger zu bleiben
Doch gelingt das? Nach aktuellem Politbarometer käme die FDP erneut nur auf 4 Prozentpunkte (http://www.forschungsgruppe.de/Aktuelles/Politbarometer/). Der Einzug ins Parlament würde damit wieder nicht gelingen. Doch woran kann man diese Gleichgültigkeit um die FDP festmachen?

Schaut man sich die Parteien und ihre Programme an so fällt ziemlich schnell auf, dass eine liberale Stimme doch wichtig wäre um ein Gegengewicht zu den großen Parteien zu schaffen. Anstatt Datenkontrolle und Mindestlohn Menschfreiheit und freie Marktwirtschaft. Kurzum liberales Gedankengut.
Warum vermisst dies niemand? Sehen die Wählerinnen und Wähler in den anderen Parteien so viel FDP? Wohl kaum. Ansonten wäre der Wunsch nach mehr Freiheit nicht so groß wie heute und eine Abhöraffäre würde nicht solch hohe Wellen schlagen. Jedoch konnte die FDP dieses Momentum nicht in Nutzen umwandeln. Anstatt als Sprachrohr der Bürger zu fungieren trat sie zu zaghaft auf. Eine klare Chance wurde verspielt.
Ein weiterer Ansatz ist die Personalpolitik. Mit Christian Linder steht ein talentierter, charismatischer und am Rednerpult starker Parteichef an der Spitze. Doch dahinter sind die Reihen dünn besetzt. Viele ehemaligen Schwergewichte scheuen sich vor der Aufgabe Stimmung zu machen, die FDP in Position zu bringen. Brüderle, Barth, Wissing und Beer sind sich dafür scheinbar zu schade.

Als letzter Punkt gilt es die Parteipolitik anzuführen. Wie bereits oben erwähnt fehlt der Glaube an die eigene Stärke. Liberale Werte sind sicher auch für junge Menschen von Bedeutung, doch wird diese potenzielle Wählerschaft oft nicht ernst genommen.
Ob so der Einzug in den Bundestag bei der nächsten Wahl gelingen kann halte ich daher für fraglich.

Die EU sagt den Rauchern den Kampf an

Vorgesehen für 2016, spätestens aber 2017 verpflichten sich die Hersteller auf ihren Zigarettenschachteln Bildern von möglichen Erkrankungen durch Rauchen abzudrucken. Dies hat das Europäische Parlament Ende Februar beschlossen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/schockbilder-auf-zigarettenschachteln-werden-eu-weit-eingefuehrt-a-955735.html

Man kann hier auf zwei Arten argumentieren warum dies einen geringen Effekt haben wird.

Erstens wird sich die bereits süchtige Kundschaft nicht von Bildern abschrecken lassen. Die Folgen sind bekannt und trotzdem wird weiterhin genüsslich an der Nikotinstange gezogen. Vielleicht wird es Einzelfälle geben, in welchen die Bilder dazu führen, dass ein Umdenken statt findet, doch die breite Masse wird ihrer Sucht erliegen bleiben.

Zweitens werben die Hersteller immer noch massiv in der Öffentlichkeit. Auf diesen Plakaten wird von den gravierenden Nebenwirkungen natürlich nichts zu lesen sein. Verführend rauchen dort gut aussehende junge Frauen eine Zigarette. “Die ist doch auch gesund, also kann mir auch nichts passieren” dürften viele Menschen denken.Vielleicht mögen die Bilder gerade bei jungen Menschen eine gewisse Abneigung gegen das Rauchen hervorrufen, doch ob die größeren und ekelerregenden Bilder tatsächlich so eine große Wirkung haben möchte ich an dieser Stelle bezweifeln. Auch in welcher Art und Weise die Umsetzung dieser Regelung in den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU aussehen wird ist gewiss noch offen. Viel zu attraktiv sind die Steuereinnahmen durch den Verkauf der Schachteln.

Dass die EU sich dennoch auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die Alltagsdroge Nikotin geeinigt hat ist dennoch lobenswert und ein Schritt in die richtige Richtung. Schlussendlich wird jedoch jeder einzelne Raucher davon zu überzeugen sein, in Zukunft nicht mehr zum Glimmstängel zu greifen.

An die Praktikanten denkt niemand…

Der Mindestlohn wird kommen. Diese Tatsache steht seit der Bundestagswahl im vergangenen Jahr fest. Doch mit ihr ist auch eines vorhersehbar, Praktikumsplätze werden wegfallen und mit ihnen enorm wichtige Einstiegsmöglichkeiten in das Berufsleben.
Zur Zeit wird heftig darüber diskutiert ob es Ausnahmen geben soll bei Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns oder nicht.

Verweisen möchte ich an dieser Stelle auf folgenden Artikel:

http://www.sueddeutsche.de/politik/streit-in-der-koalition-spd-warnt-vor-schlupfloechern-beim-mindestlohn-1.1851811

Es kann nur im Interesse aller Praktikanten sein, wenn es keinen Mindestlohn für sie gibt. Viele Praktikanten bekommen wenig mehr als 600€ im Monat für ihre Tätigkeit. Das wird von ihnen ohne Murren akzeptiert. Für sie zählt vor allem eines: Praxiserfahrung! Denn diese ist unbezahlbar.

Es gibt etliche Studiengänge, in welchen Pflichtpraktika vorgeschrieben sind und viele weitere bei denen es zumindest erwünscht ist. Man kann sich daher leicht vorstellen zu welch großen Problemen es bei der Verteilung von Praktikumsplätzen kommen wird. Kleinere Betriebe und Firmen werden sich Praktikaten schlichtweg nicht mehr leisten können. Diese Stellen werden ersatzlos gestrichen. Dies bedeutet für die Firmen der Verlust von günstigen Arbeitskräften und für die Praktikanten der Verlust von hochwertigen potenziellen Arbeitsplätzen. Es werden in Folge dessen nur noch globale Unternehmen mit dem nötigen Kapital in der Lage sein Paktikumsstellen anzubieten. Dies würde ebenso zu einer Wettbewerbsverschiebung führen wie zu einer undankbaren Situation für Studenten und Schüler. Einhergehend natürlich auch ein Mangel an Diversität. Sollten nur noch Großunternehmen Praktikumsplätze anzubieten würde ein Einblick in mittelständische Unternehmen verloren gehen. Wollen wir all das wirklich riskieren und verlieren? Es bleibt zu hoffen, dass es Ausnahmen geben wird.

Album der Woche – OK Kid “OK Kid”

Manchmal braucht es nicht viel um ein gutes Album zu entwerfen. Unbekümmertheit, ein bisschen Pop, eine Prise Pseudorap und gute Laune.
Fertig ist das Konzept für das gleichnamige Album der Jungs von “OK Kid”.
Zwar schon im April 2013 erschienen bin ich erst in den vergangenen Tagen auf dieses Stück gestoßen. Beieindruckend war für mich dabei vor allem das schörkellose Konzept, welches auf großes TamTam verzichtet und sich dabei auf das wesentliche fokussiert.
Daneben sind die intelligenten Texte gepaart mit zeitlosen Melodien, welche man nicht ziellos in ein Genre stecken kann, sondern sich davon treiben lassen sollte.
Die Konzeption ist dabei denkbar einfach. OK Kid erzählt von dem Alltagsnormalo, dem Durchschnittsmenschen. Dadurch kann sich jeder mit den Songs identifizieren, sich selbst darin finden. Klingt erneut einfach aber ist oft schwerer umzusetzen als es klingt.

Der erste Track der Platte heißt “Allein, zu zweit, zu dritt…” und spricht von schlechten Erinnerungen, vom Loslassen und sich der eigenen Identität widmen. Dabei kombiniert der kluge Text eine leicht depressiv treibende Melodie mit einem stilsicheren Refrain.
Als Einstieg wirklich ein gutes Lied. Ähnlich verhält es sich mit “Hellwach”. Auch hier ein egozentriertes Geschehen. Vom falschen Ort und den Lebensumständen die jeder von uns zu bewältigen hat.
Ein Höhepunkt des Albums ist sicher Lied 3, “Stadt ohne Meer”. Super schnieke Reime, gut performt und sehr Ohrwurmverdächtig!
Ebenso erwähnenswert ist “Verschwende mich”. Erinnert mich an die Sportfreunde Stiller (durch leichten Chorus und die unsaubere Melodie entlang des Stücks).
“Am Ende” ist eine schöne Hommage an die Jugend von heute. In den Tag leben, sich über morgen keine Sorgen zu machen und zu wissen irgendwann wird alles gut!
Wunderschön ironisch ist “Intro” als Titelnummer 8. Auch das spricht wieder für OK Kid. Einfach mal ein Spaß machen, nicht alles zu ernst nehmen!
Das letzte Lied “Mehr Mehr” nimmst schon sehr tragische Züge an und erinnert entfernt an eine Liebesszene aus der Oper. Der tragische Held auf der Bühne klagt an, will “mehr”. Das Ganze endet mit einem hochdramatischen Klaviersolo.

Ich war begeistert von den Jungs aus Gießen und hoffe, dass auch ihr daran Gefallen findet!

Meine Wertung: 4 von 5 Sternen

Album der Woche – “Zum Glück in die Zukunft 2″ von Marteria

Am 31.01 erschien die neue Platte von Marten Lagecy, besser bekannt unter seinem Pseudonym Marteria. Mit “Zum Glück in die Zukunft II” kommt der Nachfolger von “Zum Glück in die Zukunft I” in die Regale.
Bereits am Titel erkennt man, dass es sich um eine Fortführung des Werkes handelt und kein komplett anderer Weg eingeschlagen wird. Denkt man zumindest.
Nach dem ersten Hören sieht das doch ein bisschen anders aus. Marteria erfindet sich nicht neu, hat aber durchaus unerwartete und auch unangenehme Themen auf seiner neuen Platte angeschnitten.

Bekannt waren vor dem Albumrelease bisher “Bengalische Tiger” und “Kids (2 Finger an den Kopf)”, auf die beiden Titel werde ich dementsprechend nur verkürzt eingehen.

Los geht’s mit einem kleinen Intro gefolgt von “Kids”. Das Lied ist in den Charts berechtigt weit oben gelandet. Mit einem leicht mitzusingenden Refrain und einer eingänglichen Melodie schwappt das Lied schnell vom Radio ins Ohr und bleibt dort auch hängen. Der Text ist dabei leicht ironisch und doch zum Nachdenken anregend geschrieben.

Bei der Videopremiere von “OMG!” war ich zuerst ein bisschen irritiert. Was machen denn bitte die Quads? Und was soll das ganze überhaupt? Somit trat das Lied an sich leider ein bisschen in den Hintergrund. Beim zweiten Hören dann die nüchterne Konzentration auf den Text und das Stück an sich. Sehr gelungen! Spaßig verpacktes Thema, welches in den letzten Monaten so oft in den Medien kursierte. Kirche, Religion und Glauben in einem Lied so gut an vornehmlich jüngeres Publikum zu verkaufen und Lebensfragen zu stellen ist großes Können. Verpackt als leichter Hip-Hop-Track ist das wirklich gut gelungen!

In “Die Nacht ist mit mir” hat Campino seinen Gastauftritt. Leicht depressiv und schwer daherkommend, mit dumpfem Beat rappt sich Marteria langsam in Fahrt, bis am Ende des Liedes Campino mit seiner krazig rauchigen Stimme quasi den Höhepunkt und Abgesang singt.

“Alt & Verstaubt” ist für mich ein eher schwächerer Track des Albums. Die Melodie scheint nicht vollständig zu sehen und geht für mich nicht so gut ins Ohr wie bei anderen Tracks. Allerdings beeindruckt Marten hier mit einem anständig gesungenen Refrain und einer textlich gut verarbeiteten Beziehungskiste.

“Pionier” ist der 6. Track auf der Platte. Ebenfalls nichts herausragendes, aber ein schöner Beat und Refrain machen es ganz akzeptabel. Viel mehr kann man dazu auch nicht schreiben.

“Bengalische Tiger” ist dann wieder ein Lichtblick. Genialer Text (jetzt wird Goethe zitiert, also Faust hoch!) und ein toller Beat! Hip-Hop der handgemacht klingt, aggressiv und ein bisschen mehr an Marterias Vorgängeralbum erinnert.

“Gleich kommt Louis” ist ein wunderschön sanftes Stück über die Geburt eines Sohnes, über die Veränderung die jeder durchmacht wenn er Vater wird, wie man mit einem Mal erwachsen sein muss. Feiner Refrain mit stetiger Weiterentwicklung des Textes und Popmelodie.

Wer ein bisschen mehr eskalieren will und auf Rap im klassischeren Sinne wartet, geht vor bis zu “Auszeit”. Hier kommt Marterias alter ego Marsimoto zum Einsatz. Sehr harter Beat und einfache Hiphop-Texte kombinieren sich hier. Für die Tournee sicher ein cooles Stück, bei welchem die Massen abgehen werden. Für das Album aber eher ein Stück, welches aus dem Rahmen fällt.

Ebenso wie die meisten Lieder sind “Welt der Wunder” und “Mein Rostock” bedächtiger und schon eher Pop als Rap. Die Melodien sind auf jeden Fall ins Popsprektrum einzuordnen. Lediglich der Sprechgesang von Marteria verhindert die eindeutige Kategorisierung.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass das Album mehr Revolution als Evolution war. Allerdings in eine andere Richtung als die meisten Fans das erwartet haben. Marteria wirkt nachdenklicher, wirkt ruhiger und abgeklärter. Statt eskalativem und provokantem Rap findet man vor allem Popsymphonien mit tiefgängigen Texten über den Lebenssinn. Es ist sicher kein schlechtes Album, doch sollte man ohne Erwartungen an das erste Hören gehen. Ansonsten könnten viele Fans enttäuscht sein und sich über einen vermeintlich langweiligen Marten Lagecy beklagen.

Dem ist jedoch nicht so. Dass ein Künstler auch etwas Neues kann und sich nicht an einem Genre festhält zeigt Klasse. Ähnlich wie Casper bricht Marteria mit dem Rap und lässt ein Übereinandergleiten der Stile zu.

Es hätte sicher an der einen oder anderen Stelle auch mal rappiger sein dürfen und gerade die ironische und zynische Seite fehlt mir in manchen Tracks, doch trotz allem ist es ein ordentliches Album geworden.

Meine Wertung: 3,5 von 5 Sternen.

Mit dem Volksentscheid einen Schritt zurück

In Deutschland ist der Ruf nach direktdemokratischen Elementen oft groß, doch was für Konsequenzen das haben kann nehmen die wenigsten dabei wahr. Mit der gestrigen Abstimmung in der Schweiz über eine Begrenzung der Zuwanderung in das Alpenland haben wir einen traurigen Höhepunkt der negativen Ausmaße solcher Elemente erfahren müssen.

Die schweizer Regierung hatte versucht für das gegenteilige Ergebnis zu werben, doch waren nationalistische Kräfte, allen voran die SVP, das Zünglein an der Waage. Mit der Begrenzung der Zuwanderung stehen den diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen der EU und der Schweiz stürmische Zeiten bevor. Das internationale Echo war gewaltig und sehr kritisch. Einmal mehr wurde deutlich, dass einerseit bei einer Volksabstimmung die regierende Parteien abgestraft wurden, andererseits nationalistisches Gedankengut sich seinen Weg durch die Demokratie bahnt.

Sicherlich haben wir in Deutschland einen anderen Umgang mit diskriminierenden Gesetzen und einer geschichtlichen Begründetheit vorsichtig an diese Thematik heranzugehen. Dennoch wäre es interessant zu sehen, wie solch eine Abstimmung in der Bundesrepublik ausgehen würde. Der Ausländeranteil liegt hier zu Lande bei 9 Prozent, in der Schweiz bei rund einem Viertel, doch ist auch in Deutschland eine Diskriminierung gegen Ausländer vorhanden.

Am Beispiel der Schweiz sehen wir, dass Volksabstimmungen zwar vermeintlich die Stimme des Volkes zeigt, doch dass dies nicht immer positiv sein muss. So sind vor allem Populisten an die Urne gegangen. Wer mit der bisherigen Regelung zufrieden war konnte ja auch daheim bleiben. Auch das Abstrafen der Regierung tritt bei solchen Abstimmungen in den Vordergrund.

Dies ist nur ein einzelnes Fallbeispiel, dennoch veranschaulicht es ziemlich gut die Problematik der Direktdemokratie. Bürger entscheiden emotional, selten rational. Die gesamte Schweiz profitiert von der Zuwanderung. Dass dies die Identität eines Landes vor neue Herausforderungen stellt ist unbestritten, dennoch wird in Zukunft ein gewaltiger Fachkräftemangel auf die Schweiz zukommen, welcher für große Probleme sorgen wird.

So war schlussendlich der Volksentscheid ein Schritt zurück zu schlechteren Zeiten.