Ein neuer Stern am Pophorizont

Schwarz dont crack. In einer Hitliste mit schrägen Bandnamen würden die beiden Herren sicherlich weit vorne landen und dennoch bieten Ahmad Larnes und Sebastian Kreis weit mehr als das sperrige Pseudonym ihres Bandnamens an. Schwarz dont crack besteht aus dem ehemaligen New Yorker Barnes, der früher in der Modeszene unterwegs war und dem im Saarland aufgewachsenen Kreis. Mit „No Hard Feelings“ veröffentlichen die Beiden ihr Debütalbum.

Die Geschichte der Beiden wurde mittlerweile zigfach erzählt. Ein Deutscher und ein Amerikaner die sich über das Internet gefunden haben, in Berlin leben und oftmals sehr pragmatisch miteinander arbeiten. Ihr Album ist jedoch alles andere als pragmatisch und eine hohe Kunst der aktuellen Popmusik. Elektroelemente der 90er treffen auf die wunderbare R’nB-Stimme von Larnes und werden von Kreis mit melancholischen Elementen kombiniert. Herausragend sind die Titel Getaway und All my love die sich einem bereits beim ersten Hören ins Gedächtnis (oder viel mehr ins Ohr) brennen. Der Rest des Albums steht den beiden genannten Stücken in Nichts nach und man kann nur hoffen, dass es nicht bei diesem einen Album des Duos bleibt.

Einen Punkt Abzug gibt es für den doch teilweise sehr faden Text. Dennoch überzeugen mich Schwarz dont crack absolut und landen bei 4 von 5 Punkten.

Prime Music – 10 Monate danach

Seit rund 10 Monaten bietet Amazon seinen Service Amazon Prime Music in Deutschland an. Doch wie hat sich der Dienst entwickelt? Wie fällt nach 10 Monaten das Zwischenfazit aus? Wo gibt es Verbesserungspotential? Was ist gelungen?
Zum Start des Dienstes im vergangenen November hatte ich bereits in einem ersten Beitrag meine Eindrücke zusammengefasst (Den Artikel findest du hier). Dennoch bedarf es einer längerfristigen Nutzung eines solchen Angebots, um eine möglichst umfassende Bewertung abgeben zu können.

Die technischen Möglichkeiten
Amazon Music bietet neben dem Webplayer eine App für Mobilgeräte und ebenfalls ein Programm zur Verwaltung für den klassischen Desktop-Rechner. Die Anwendungen sind dabei funktional und einfach zu verstehen, allerdings ist bisweilen unverständlich, warum Titel auf der App heruntergeladen werden können, während ein Offlinemodus auf dem klassischen Rechner ausbleibt. Etwas unbeholfen ist die Möglichkeit nach neuen Primetiteln zu suchen. Diese Auflistung zeigt wirklich nur chronologisch an, welche Titel hinzugefügt wurden. Eine Sortierfunktion, welche Titel nach Erscheinungsjahr aufführt gibt es leider nicht.

Das Angebot
Der wohl wichtigste Aspekt einer jeden Musiksammlung. Amazon Music bietet nach wie vor eine breite Auswahl an verschiedenen Stilrichtungen und Künstlern, dennoch fehlt die Tiefe. So sind weiterhin vor allem ältere Alben verfügbar, neuere Platten fehlen. Teilweise sind Alben nicht komplett für den Nutzer verfügbar, sondern lediglich eine kleinere Auswahl an Titeln. Zwar bemüht sich Amazon weiterhin auch Neuerscheinungen für den Streamingdienst verfügbar zu machen, doch sind dies in der Regel nur zwei bis drei Alben pro Monat. Für den August lässt sich hierfür exemplarisch das neue Album von Snoop Dogg nennen. Insgesamt ist das jedoch einfach zu wenig, um Musikliebhaber von einem Abonnement zu überzeugen. Ebenfalls dürftig ist die Auswahl an Playlisten. Nur eine geringe Anzahl finden sich für die jeweiligen Genres wieder. Viele Playlisten enthalten zudem Dopplungen, sodass eine wirkliche Abwechslung überschaubar bleibt. Ein weiteres Manko ist die fehlende Möglichkeit Playlisten öffentlich zu teilen. Dies würde dem Aufbau einer Community deutlich helfen und zu einem Mehr an Interaktionen unter den Nutzern führen.

Fazit
Amazon bietet mit seinem Streamingdienst weiterhin ein nettes Angebot, das sich in eine Vielzahl an guten Angeboten in die Primemitgliedschaft eingliedert. Als einzelner Kaufgrund dürfte Prime Music jedoch nicht gelten. Daher bleibt Amazon Prime Music weiterhin ein feines Extra, aber es fehlt der nötige Tiefgang, um auch als Alternative zu anderen Diensten wie Spotify bestehen zu können.

Neues von Anil Altintas

Seit gestern gibt es die neue Single von Anil Altintas, mit dem ich bereits vor zwei Jahren die Ehre hatte ein Interview zu führen (https://soliveyourlive.wordpress.com/2014/07/12/all-das-hat-mich-zu-der-person-gemacht-die-ich-heute-bin-ein-interview-mit-anil-altintas/).

Sein neuer Song „Dann kommst du“ wirkt reifer und durchdachter als alle früheren Stücke und besitzt das Potential in den kommenden Wochen in den Radiosendern und Playlists vermehrt aufzutauchen. Dass Anil ein facettenreicher Künstler ist hat er bereits auf seinem Debütalbum vor zwei Jahren bewiesen. Den Beweis dafür, dass er sich auch als Künstler bedeutend weiterentwickeln kann, liefert er nun ab. Viel Spaß beim Hören!

 

Album der Woche – Marek Hemmann „Moments“

Marek Hemmann hat bereits mit „In Between“ und „Bittersweet“ als auch mit seinem ausgekoppelten Projekt „Marian“ und „Only Our Hearts to Lose“ für Furore in der deutschen Elektroszene gesorgt. Mit einer unglaublichen Kombination aus Anspannung, Freude, Leichtigkeit und Melancholie bestückt bringt der in Gera geborene Hemmannn eine ganze Bandbreite an Elementen in seinen Tracks zusammen. Dabei wirken seine Stücke selten überladen, es findet sich hingegen immer ein roter Faden.

Im Vergleich zu seinen bisherigen Alben wirkt „Moments“ wie eine Vollendung all dieser oben genannten Bestandteile. Ein besonderes Schmuckstück des Albums ist dabei sicherlich der Track Purple, welcher sanft treibend an einen nicht enden wollenden Sommertag erinnert. In eine ähnliche Stoßrichtung geht auch Joker, bei welchem die Filter  wunderbar eingesetzt werden, um anschließend einen neuen Loop einzubauen. Mit einem äußerst ruhigen, vielleicht etwas zu ruhigen Track (Bob) endet die EP/ das Album. Die acht Stücke sind insgesamt qualitativ sehr hochwertig und unterstreichen einmal mehr Marek Hemmanns Können.

Meine Wertung:
4 von 5 Sternen.

Cas is back

Ganz still und heimlich ist heute ein neues Musikvideo auf YouTube erschienen. Unter dem Kryptonym Gloomy Boyz rappen drei verschleierte Gestalten auf Ladeflächen und Quads. Einer von Ihnen: CASPER! Der Song, ein klassischer Trap voll von EDM-Beats, zeigt einmal mehr das facettenreiche Gesicht des gebürtigen Extertalers.

Die größte Überraschung dürfte allerdings am Ende des Videos folgen, in dem die Gloomy Boyz eine EP für den Montag ankündigen. Man darf gespannt sein! Vielleicht ist das ja der Beginn zu dem „alles zerberstenden Rap-Albums“, das Benjamin Griffey von einiger Zeit angekündigt hatte.

 

Album der Woche – „Hypermoment“ von Robot Koch

Robot Koch. Ein sperriger Name. Bürgerlich Robert Koch. Aber hinter diesem Namen verbirgt sich einer der erfolgreichsten deutschen Musikproduzent der Gegenwart. Koch hat bereits für Casper, Marsimoto, KIZ und Max Mutzke Alben produziert und sein Können unter Beweis gestellt. Die genannten Künstler sind zwar eher in einer anderen Ecke zu finden als das Genre in welchem sich das Album „Hypermoment“ wiederfindet, doch zeigt es die extreme Spannbreite von Kochs Können.

Hypermoment wurde am 06.11 veröffentlicht und ist wohl eines der interessantesten Alben in diesem Herbst. Koch schafft es gekonnt verschiedene Stimmungen einzufangen und diese auch innerhalb einzelner Lieder zu kombinieren. Gut erkennen lässt sich dies sicherlich am Opener „Circles“, welcher von düsterer schwerer Musik bis zu treibenden Beats alles vereint und vereinzelt an Kompositionen von Extrawelt oder Oliver Huntemann erinnert. Gegenstücke bilden dabei Lieder wie „Dreams“ und „Kalimba“ die zwischen Leichtigkeit und Trägheit, Wärme und Distanz und Klangvielfalt und Monotie pendeln. Robert Koch gelint es auf Hypermoment eine außergewöhnliche Klangpalette zu präsentieren, ohne dabei in obszöne Sphären auszuufern und den Hörer zu überfordern.

Wer ein Album sucht, das auf elektronischer Basis die Bandbreite des Herbstwetters abbildet wird hier fündig!

Meine Wertung: 4 von 5 Sternen

Amazon startet Prime Music – Eine Alternative zu Spotify & Co?

Seit mehreren Tagen stand das Gerücht im Raum, dass Amazon einen Musik-Streamingdienst in Deutschland starten werde. Am heutigen Donnerstag folgte dann die Bestätigung. Mit einer Bibliothek von mehr als einer Millionen Titel wartet der amerikanische Onlinehändler auf. Im Vergleich zu ähnlichen Anbietern wie Spotify, Apple music & Co. scheint diese Anzahl der verfügbaren Tracks eher überschaubar.

In einem ersten Testlauf sind zwar viele Alben aus den Charts der vergangenen Jahre verfügbar, allerdings fehlen aktuelle Platten wie Robin Schulz‘ „Sugar“ oder „Get up“ von Bryan Adams, während Rea Garveys „Prisma“ abspielbar ist. Die Auswahl der Songs und Alben begründe sich laut amazon auf die relevantesten Lieder für Deutschland. Dies lässt schlussfolgern, dass der breite Mainstream bedient werden kann, aber speziellere Titel nicht verfügbar sind. Dennoch finden sich in der Auswahl auch eher unbekanntere Künstler wie Marek Hemmann oder Kölsch aus der elektronischen Szene wieder. Vermutlich lässt sich hier erst in ein paar Wochen ein valides Zwischenfazit ziehen.

Sehr gelungen ist die Nutzeroberfläche der Anwendung im Browser und in der mobilen Version. Schlicht, gut designed und einfach zu bedienen sind die Player und erlauben es mit wenigen Klicks die Titel offline verfügbar zu machen

Fazit

Für jeden bisherigen Primekunden ist diese schöne Extra sicherlich ein Grund weiter bei Amazon zu bleiben. Für Neukunden steht ein feines Zusatzangebot im Raum, dass einen Wechsel zu Amazon interessant macht. Spannend wird sein wie schnell neue Alben in der Musikbibliothek verfügbar sein werden. Dennoch war der Start für Amazon eine gelungene Aktion!

Der neue King of Pop oder geschickte Selbstvermarktung?

Derzeit ist „the Weeknd“ in aller Munde. Sein aktuelles Album „Beauty Behind The Madness“ (Universal Music) wird von vielen Fachzeitschriften gefeiert und der Künstler selbst als Nachfolger Michael Jacksons angepriesen. Doch kann the Weeknd dem gerecht werden? Ist das Album wirklich der ganz große Wurf?

Der erste Track des Albums „Real Life“ startet mit einem imposanten, fast schon epochalen Beat der einen sofort fesselt. Beim Einsetzen der Stimme von Abel Tesfaye ist die Ähnlichkeit der Stimmfarbe zu Michael Jackson unweigerlich im Ohr. Man kann die Stimmen zwar noch klar voneinander unterscheiden, der Vergleich zu Michael Jackson ist jedoch begründet.

Losers, ein Feature mit Labrinth, enthält neben Rapelementen erneut einen wahnsinnig markanten Beat der das Lied vorwärtstreibt und sofort ins Ohr geht und hinten raus durch ein Solo von Tesfaye kurz abknickt um abschließend mit Bläsern ins Finale überzugehen.

So gut diese beiden Tracks sind und so vielseitig Weeknd sich auf dem Album präsentiert so verrucht sind seine Texte. Deutlich wird das wohl vor allem bei „Often“. Lyrics wie „make that pussy pop and i do it how i want it“ sind keine Seltenheit und ziehen sich wie der berühmte rote Faden durch das Album. Man kann davon halten was man will, eine große Vielfalt deckt Tesfaye damit nicht ab.

„The Hills“ ist vielleicht das beste Lied des Albums. Eine elektronisch verzerrte Stimme und eine vor Spannung nahezu explodierende Melodie ergänzen sich perfekt.

Der bekannteste Track des Albums ist vermutlich „Earned it“, welcher schon im Kinofilm „50 Shades of Grey“ zu hören war und mit welchem the Weeknd auch hierzulande erstmals große Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. „In the night“ erinnert erstmals richtig stark an den King of Pop, eine wunderbar seicht vor sich hinplätschernde Popsynfonie, die durch die markige Stimme mehr als nur ein Durchschnittstrack wird. Zum Schluss des Albums kommen mit Lana del Rey und Ed Sheeran noch zwei Hochkaräter der internationalen Musikszene zum Einsatz, welche jedoch Ihr Können nicht so einsetzen dürfen wie man das sonst gewöhnt ist und nur bedingt zur Geltung kommen. Aus einer guten Idee wurde hier leider viel zu wenig gemacht.

Nach mehrmaligem Hören des Albums bleiben einem die oben genannten Tracks im Ohr hängen und man hat das Gefühl eine gute Platte in den Händen zu halten. Der Hype um den Jackson-Verlgeich ist dabei allerdings ein wenig übertrieben. The Weeknd liefert ein tolles Album ab, das man sich gerne und oft anhören kann und auf passend zur Jahreszeit erschienen ist. Doch um wirklich ein King of Pop zu sein bedarf es dann doch etwas mehr Variabilität sowohl in der Auswahl der Tracks als auch ein Kontinuum abzuliefern. Dennoch hat der Mann aus Toronto die derzeit besten Chancen an die Legende Michael Jackson heran zu kommen.

Meine Wertung 4 von 5 Sternen.

Album der Woche „Boy – We were here“

Das Album der Woche liefert diesmal Boy mit „We were here“ ab. Das Pop-Duo, bestehend aus der gebürtigen Züricherin Valeska Steiner und der Hamburgerin Sonja Glass, veröffentlichte am 21.08 ihr zweites Album (Grönland Records). Dabei knüpfen Boy direkt an ihrem ersten Album an. Nicht zu viele Veränderungen, nicht zu viel neues ausprobieren, altbewährtes ausbauen und etablieren.

Das erste Lied des Albums ist auch gleichzeitig der Titeltrack. „We were here“ ist ein wunderbarer Ohrwurm der uns sicherlich noch bis in den Herbst hinein begleiten dürfte.
„No Sleep for the dreamer“ hat etwas magisches an sich. Eine Spannung durchzieht das Lied und entlädt sich dann jeweils in dem Refrain, der ebenfalls gut ins Gedächtnis geht.
Eines der besten Stücke ist sicherlich New York, das zurecht auch von der Süddeutschen Zeitung gelobt wurde (http://www.sueddeutsche.de/kultur/neues-album-we-were-here-boy-machen-immer-noch-gluecklich-aber-1.2615890).

Etwas schwach ist die Anzahl der Songs auf dem Album. Nur neun Lieder beinhaltet „We were here“. Dennoch gelingt es Boy auch ein sehenswertes zweites Album abzuliefern, ohne an den hohen Erwartungen zu scheitern. Seichte Philosophie-Phrasen reihen sich perfekt ein, um halb verträumt den Sonntagnachmittag vorbeiziehen zu lassen.
Vom Musikstil hat sich wenig geändert. Eingänglicher Synthiepop gepaart mit der wunderbaren Stimme von Sonja Glass, ab und an auf Gitarre reduzierte Stücke. Ob das zu wenig ist oder gerade den Erfolg von Boy rechtfertigt mag wohl jeder für sich entscheiden. Doch für ein Caféhaus wäre es wohl der perfekte Soundtrack.

Meine Wertung 3,5 von 5 Sternen.

Rückblick auf das Interview von LeFloid mit Angela Merkel

Am gestrigen Montag, 13.07, wurde das Interview von Youtube-Star LeFloid und Bundeskanzlerin Angela Merkel veröffentlicht (siehe https://www.youtube.com/watch?v=5OemiOryt3c).

Bereits im Voraus wurde Etliches über das anstehende Interview geschrieben. Über einen geschickten medialen Schachzug der Kanzlerin um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Über Portraits zu Florian Mundt und über Chancen und Grenzen eines solchen Interviews.

Nach der Veröffentlichung auf Youtube gab es von Seiten der Presse nur wenig Lob für LeFloid. Zu kalkulierbar seien die Fragen gewesen, zu brav habe er sich verhalten und zu selten habe er eine seine direkte Art einfließen lassen. Die Kritikpunkte mögen ihren wahren Kern haben, dennoch war es für LeFloid das erste Interview mit solch einer prominenten Person, so dass man ihm dies verzeihen mag.

Viel überraschender war die vermeintlich lockere Art Merkels und die gelöste Atmosphäre der Unterhaltung. Dass man keine neuen Erkenntnisse oder Ansichten erwarten durfte, sollte jedem klar gewesen sein Dennoch wurde auf angenehme Art und Weise ein neues Zielpublikum erschlossen. Man muss den Beiden zu Gute halten, dass sie in einer halben Stunde wirklich versucht haben möglichst viele Themen anzuschneiden und auf Fragen aus dem Netz einzugehen. Dass hierbei der Tiefgang verloren geht sollte ebenso offensichtlich sein. Dennoch kann man das Interview als eine gelungene Aktion im Büro Merkel und LeFloids verbuchen. Beide Seiten brachten zwei unterschiedliche Zielgruppen zusammen und wussten sich gut zu verkaufen. Ob es bei diesem einen Interview bleibt steht bisher offen, dennoch war es gerade für die junge Zielgruppe eine interessante Gelegenheit durch einen Ihrer Stars in Berührung mit der Politik zu kommen.