Willkommen im Hinterland!

Das neue Album von Casper ist da und steht bereits bei Amazon ganz oben in den Verkaufscharts. Doch ob es zurecht dort steht oder die Erwartungen nicht erfüllen konnte soll hier analysiert werden.

Zunächst einmal die Optik. Das Albumcover wurde mit einem tollen Foto geschmückt und sticht doch sehr ins Auge. Die Szene zeigt eine Taufe im Wasser, ein dunkelhäutiger Mann hebt eine Frau und schaut gleichzeitig gen Himmel. Damit ist vorgegeben wohin es gehen soll und zwar ganz an die Spitze!

Die ersten beiden Tracks des Albums „Hinterland“ sind bereits als Singles erschienen und waren insofern keine Überraschung. Doch sind sie deswegen nicht minder zu bewerten. „Im Ascheregen“ und der gleichnamige Track „Hinterland“ sind wunderbare Kompositionen. Elegant wird hierbei die Musik mit den Gesangs-/ Rapeinlagen gepaart und verschmolzen. Casper zeigt dabei, dass er mehr kann als nur rappen, sondern auch fürs singen taugt. Sicherlich gewöhnungsbedürftig für die Fans der ersten Stunde, dennoch nicht abstoßend.

„Alles endet“ schlägt dann wieder ein schnelleres Tempo an, doch die Gesangseinlagen bleiben bestehen. Der Hörer merkt langsam, dass sich da etwas ganz anderes entwickelt und auf ihn zukommt als gedacht. Casper wagt den Stilbruch, den genreübergreifenden Rundumschlag. Bereits bei XOXO wurde gezeigt, dass man Rap durchaus mit vielen anderen Sachen kreuzen kann, doch dieses kreuzen bricht hier auf, verliert sich und findet ganz neue Wege.

„Nach der Demo ging’s bergab“ lässt sich vielfach interpretieren. Ein Abgesang, vielleicht ironisch, vielleicht auch nicht, auf die One-Hit Wonder, (darf man Cro auch als solches zählen?) und auf den Möchtegernruhm.

Bei „Lux Lisbon“ handelt es sich meiner Ansicht nach um mit das beste Stück des Albums. Sehr tiefgründig zeigt sich Benjamin Griffey darin, mit Texten die Zweifel erkennen lassen und einem wunderbaren Refrain gesungen von Tom Smith. Eine Mischung aus Melancholie und Ergriffenheit baut sich auf und legt sich wieder.

„Ganz schön ok“ ist eine Feature mit Kraftklub, welches sich mit dem aktuellen Sein der beiden Künstler dreht. Viel, bunt, laut, atemlos, Party, Spaß und auch Stress. Das alles wird thematisiert und findet sich im Lied wieder. Sehr tolles Stück, vielleicht auch als Single-Auskopplung denkbar.

Jambalaya ist dann ein weiterer Höhepunkt des Albums. Plötzlich kommt der aggressive rappende Cas an auf den viele gehofft hatten. Guter Beat, cooler Backgroundgesang und Casper der sich selbst feiert und sich über den Rest der Massen lustig macht, welche versucht haben ihn zu kopieren. Ganz großes Casperkino!

Weniger gut kommt dabei „La Rue Morgue“ weg. Zu zäh klingt das Stück, eine Bindung dazu lässt sich nicht aufbauen und das Lied dümpelt eher vor sich hin als eine Stimmung aufzubauen. Wohl der schwächste Track des Albums.

Das Finale mit „Endlich angekommen“ zeigt dann einen sehr versöhnlichen Abschluss. Es erinnert mich ein bisschen an den finalen Track von XOXO. Ein sich zufriedenes Lächeln macht sich auf dem Gesicht breit. Das Album neigt sich dem Ende entgegen. Auch wenn es komplett anders ist als es wohl viele erwartet haben ist es doch etwas großes geworden. Etwas das niemand erwartet hatte. Mit vielen kritischen Tönen, mit einem Casper der sich immer wieder aufs Neue erfindet, der sich für nichs zu schade ist. Sollen die Kritiker ihm vorwerfen er verlässt den Rap, doch wieso muss man sich dort beweisen wo man herkommt wenn man mehr kann. Ich bin beim ersten Hören nicht recht warm geworden. Nach dem fünften Hören kann ich nicht mehr genug bekommen. Der Stilbruch ist gewöhnungsbedürftig aber sehr sehr faszinierend und gut gelungen.

Meine Wertung 4,5 von 5 Sternen.

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