Arbeitsmigration

Dieser Beitrag wurde im Zuge der Zusammenarbeit mit http://www.eurowahlgang.de am 01.05.2014 veröffentlicht.

 

 

„Migratio“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Umzug oder Wanderung. Viele von uns erlernen heute einen Beruf und wissen nicht wo sie nach ihrer Ausbildung hinziehen müssen. Von dem Süden in den Norden oder vielleicht gar in ein anderes Land? Wir sind Zugvögel unserer Zeit. Immer auf der Suche nach der nächsten Arbeitsstelle, nach dem Job für die Zukunft. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlernte man einen Beruf und führte diesen ein Leben lang an seinem Arbeitsplatz aus. In der heutigen Welt undenkbar. Das Schlagwort Arbeitsmigration hat sich in unser Leben eingebrannt.

Wir müssen flexibel wie noch nie auf jeweilige Veränderungen reagieren können. Jeder und Jede von uns muss stetig in der Lage sein morgen an einem neuen Ort arbeiten zu können. Doch ist dies nicht manchmal mehr Fluch als Segen? Ich möchte in meinem Beitrag sowohl positive als auch negative Aspekte der Arbeitsmigration ausführen und Folgen des Wandels unserer Arbeitsweise aufzeigen. Zu Beginn des Jahres gab es in diversen Zeitungen nahezu endlose Diskussionen über den nun vollkommenen Arbeitsmarktzugang für Rumänen und Bulgaren.

Ein Indiz dafür, dass Europa selten die Vorteile für die Nationalstaaten klar rausstellt, sondern sich von populistischen Thesen und Sprüchen einiger weniger leiten lässt. Die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied hat dabei in einer Volksabstimmung für eine Art Quote von Migranten gestimmt. Schaut man sich dort jedoch die Anzahl der ausländischen Beschäftigten an, fragt man sich wie dieses kleine Land in Zukunft bestehen möchte. Arbeitsmigranten bringen allen Statistiken nach enorme Vorteile für eine Volkswirtschaft. Sie steigern das BIP, sie erhöhen die Erwerbspersonenquote und sorgen für mehr Steuereinnahmen. Trotz allem hält sich das Vorurteil hartnäckig, dass beispielsweise Zuwanderer aus Rumänien Stellen für inländische Arbeitnehmer besetzen. Jedoch ist gerade das Gegenteil der Fall. Mit jeder neuen besetzten Stelle werden weitere Stellen geschaffen. Ein Arzt, welcher seine Praxis eröffnet, benötigt Sprechstundenhilfen. Eine Rechtsanwältin eine Sekretärin. Die Liste an Beispielen könnte ewig fortgeführt werden.

Es bleibt also die Frage, warum wir der Arbeitsmigration so kritisch gegenüber stehen. Es ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, dass wir Respekt vor den neuen Herausforderungen haben, welche die globalisierte Welt offeriert. Und es sind traurige Einzelschicksale wenn jemand seinen Arbeitsplatz auf Grund von Konkurrenzkampf aufgeben muss. Dennoch sollten wir Arbeitsmigration viel eher als Chance begreifen. Wir dürfen in jedem Land der EU arbeiten, ohne große Verwaltungshürden nehmen zu müssen. Wir haben die Möglichkeit uns frei zu entfalten und die Möglichkeit Stellen zu finden, welche unseren Vorstellungen und Anforderungen entsprechen. Ungehindert von bürokratischen Hindernissen oder sonstigen Umständen können wir uns in der gesamten EU auf Arbeitssuche begeben. Sei dies um ein höheres Gehalt zu beziehen, sei es um näher bei der eigenen Familie zu sein oder der Wunsch nach einer Verlegung des Wohnorts. Dennoch darf man die Folgen für unsere Generation nicht außer Acht lassen. Die ständige Unsicherheit gibt uns kaum Planungsmöglichkeiten. Sei dies um eine Familie zu gründen oder sich auf ein Leben abseits der Arbeit einzulassen. Unsere Zukunftsplanung ist nur für einen beschränkten Zeithorizont möglich. Wir müssen als Maschinen an jedem Standort funktionieren und mit jeglichen Umständen zu Recht kommen. Heute Berlin, morgen Madrid, nächste Woche Tallinn. Eine Belastungsprobe für jeden Einzelnen von uns. Doch abgesehen von den individuellen Herausforderungen leistet Arbeitsmigration etwas Essentielles für die Volkswirtschaften in Europa. Nur durch den gezielten Austausch von Arbeitskräften können die Volkswirtschaften Europas weiterhin wettbewerbsfähig bleiben.
Deutschland wird sich in den kommenden Jahren verstärkt auf das Anwerben von Arbeitskräften aus dem Ausland stark machen. Genauer gesagt stark machen müssen!
Der demographische Wandel erschwert es den Unternehmen zunehmend genügend qualifizierte Fachkräfte zu finden und offene Stellen zu besetzen. Durch Arbeitskräfte aus dem Ausland kann dieser Mangel zumindest abgefedert werden. Schlussendlich eine profitable Situation für uns alle.
Geht es der Wirtschaft gut, sollte es auch der Gesellschaft gut gehen.
Sicher ist das Thema Arbeitsmigration zu umfangreich um es in all seinen Facetten in so einem kurzen Beitrag würdig zu behandeln. Natürlich gibt es in einer globalisierten Welt immer Gewinner und Verlierer, aber es wäre zu banal, sich gegen die Arbeitsmigration zu stellen und sie als etwas rein Negatives zu bezeichnen. Arbeitsmigration wird die EU in den nächsten Jahren erheblich prägen. Wir können uns dagegen stellen wie wir wollen, schlussendlich müssen wir versuchen die bestmöglichste Lösung im Umgang mit der Situation zu finden. Ein erster Schritt wäre dabei ein positiveres Denken in der Bevölkerung gegenüber dieser Herausforderung.

 

 

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