Europa Ade – Freiheit Ole?

Dieser Beitrag wurde im Zuge der Zusammenarbeit mit http://www.eurowahlgang.de am 10.05.2014 veröffentlicht.

 

Stellen wir uns doch einfach mal vor die EU würde gar nicht existieren. Jeder Nationalstaat bekommt wieder seine volle Souveränität zurück. Niemand muss mehr Politiker nach Brüssel entsenden. Stellen wir uns vor es gäbe keine Normen mehr für die Krümmung einer Banane oder für die Höhe eines Traktorsitzes. Stellen wir uns vor unser Land könnte sich den Bestimmungen von EU-
Kommissaren entziehen und müsste nicht Ökolabel deklarieren oder Fangquoten einhalten. Stellen wir uns vor die Europawahl am 25.05 würde es gar nicht geben. Lassen wir doch Brüssel endlos diskutieren. Wir machen nicht mit. Wäre das nicht toll? Wohl kaum. Es ist eine Utopie, dass Europa ohne die EU besser gestellt wäre. Ein Wunschdenken, dass wir alle ohne die EU ein einfacheres Leben hätten ohne angebliche bürokratische Hürden.

Die Wirtschaft, die Menschenrechte, das Alltagsleben. Diese drei Bereiche stehen beispielhaft für eine Europäische Union, welche uns Tag für Tag durch ihre fortschreitende Integration und ihre Eingriffe in den Alltag prägt. Dass dabei sinnbildlich die Regelung für Krümmung der Bananen im Kopf der meisten Bürger hängen bleibt ist traurig und Anlass genug über die Institution EU zu diskutieren. Doch versuchen wir einmal nüchtern zu betrachten, was es bedeutet ohne die EU zu leben und ob dies nicht doch mehr ist als nur Traktorsitze und Bananen.Für viele junge Studenten ist es der größte Wunsch im Ausland ein Semester zu absolvieren. Ohne das Erasmusprogramm für Studenten würden diese Träume nicht realisierbar sein. Seit Einführung des Programms 1987 haben mehr als 3 Millionen junge Menschen diese Chance nutzen dürfen. Ohne die EU wäre dies undenkbar. Die Universitäten müssten miteinander neue Konzepte entwickeln um den Austausch von Studierenden zu regeln. Eine weitere Folge der nicht vorhandenen Koordinierung wäre die Frage nach der Anerkennung von Abschlüssen. In welchem Land zählt welcher Abschluss wie viel? Wo darf ich mit meiner Ausbildung arbeiten? Und selbst wenn meine Ausbildung anerkannt wird, habe ich dann die Arbeitserlaubnis? Der Arbeitsmarkt stünde vor einer gewaltigen Herausforderung. Auch die Auslegung von Menschenrechten wäre in jedem Land unterschiedlich.

Meinungsfreiheit kann in jedem Land etwas anderes bedeuten. Wer sagt was Pressefreiheit ist und auf welche Rechte ich Anspruch habe? Ebenso dürfen Lebensmittel andere Inhaltsstoffe besitzen oder müssten nicht hinreichend deklariert sein. Produkstandards würden nicht mehr existieren. Tierhaltung würde unterschiedlich gehandhabt werden. Wer entscheidet ob den Zuchttieren Antibiotika verabreicht werden darf oder nicht? Ist Käfighaltung legitim? Produkte würden exorbitant teuer werden, da Zölle die Preise für Importgüter hochschnellen lassen würden. Obst aus dem Süden würde es wohl so schnell nicht mehr geben. Technische Produkte könnten in der heutigen Form nicht vertrieben werden. Wichtige Organe wie der EuGH oder die europäische Zentralbank wären nicht länger Kontrollinstrument für die Bürger der EU.
Die Beispiele sind bewusst übertrieben gezeichnet, doch zeigen sie mehr als deutlich, dass unser Alltag nicht mehr der gleiche wäre. Wir würden auf zahlreiche Dinge verzichten müssen, welche wir mittlerweile als selbstverständlich betrachten. Gerade die freie Arbeitsplatzwahl, der Güterverkehr und das Erasmusprogramm sind für meine Generation unverzichtbare Bestandteile unseres Lebens geworden. Die Ländergrenzen verschwimmen für uns. Wir sind in Europa zuhause. Geben wir die EU auf, geben wir unsere Zukunft auf. Es mag nicht immer einleuchtend sein warum die EU diese oder jene Verordnung verabschiedet und es werden dort sicherlich auch Fehler gemacht. Dennoch wäre es vermessen die Behauptung aufzustellen, dass es uns ohne die EU besser gehen würde. Jeder von uns profitiert jeden Tag von den Vorteilen eines geeinten Europas. Lasst uns diese Chancen ergreifen und nicht über etwaige bürokratische Vorgänge diskutieren. Die EU ist mehr als nur Bananenkrümmung, die EU ist unser Alltag.

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