„All das hat mich zu der Person gemacht die ich heute bin“ – Ein Interview mit Anil Altintas

Am 27.06 erschien das Debütalbum „Sound of home“ von Anil Altintas, welches er mit Hilfe von seinen Freunden Dominik Dörfler und Jan Hesmert produziert hat. Die gleichnamige Single und das zugehörige Video findet ihr unter dem Interview.

Anil Altintas ist 22 Jahre alt und studiert Politikwissenschaften an der Universität Tübingen. Geboren ist er als Sohn türkisch stämmiger Eltern in Wetzlar. Mit „Sound of home“ zielt er auf die Identitätssuche des Einzelnen ab, auf das Gefühl zu wissen wo man zu Hause ist, wo man hingehört. Es paaren sich dabei Elemente aus dem Singer/ Songwriterbereich mit Folk- und Popmelodien und lassen das Album scheinbar schwerelos dahingleiten. In unserem Interview erfahrt ihr was ihn zur Musik bewegt hat, was er mit dem Album verbindet und wie es entstand.

Anil ist Tübingen deine Heimat geworden?

Mittlerweile gewissermaßen schon. Es ist der Ort, an den ich mich nach langer Zeit Zuhause in Gießen wieder zurücksehne, weil ich hier auch viele Freunde gefunden habe und ein Teil meiner Familie auch im Umkreis lebt

Was bedeutet Heimat für dich?

Heimat ist ein Ort, an dem ich Menschen habe, die mich lieben. Sei es nun Freunde oder Familie, es ist ein Ort, mit dem ich durchweg Positives verbinde.

Wie kamst du eigentlich zur Musik?

Das hat eigentlich mit meinem Vater angefangen. Seitdem ich mich daran erinnern kann, ist mein Vater immer schon mit seinen Freunden unterwegs gewesen und hat Musik gemacht. Aber da mich das türkische Saz nicht wirklich angesprochen hat, kam ich zur Gitarre. Eines Tages ist bei uns Zuhause das Fenster zerbrochen, und zufällig war einer der Handwerker auch Gitarrenlehrer. Mein Vater kam mit ihm ins Gespräch und so bin ich dann bei der Gitarre gelandet und hatte insgesamt zwei Jahre Gitarrenunterricht. Der Rest war Schulbands, Funkbands und schließlich Singer/Songwriter. Das wäre glaube ich die verkürzte Version, sonst schreibe ich mehrere Seiten voll.

Du studierst, du machst Musik, du hast eine Freundin. Wie bekommst du all das unter einen Hut?

Das würde alles ohne Freunde, die einen in jeglicher Hinsicht unterstützen, natürlich nicht klappen. Bei der Musik habe ich Dominik Dörfler und Jan Hesmert, mit denen ich schon seit Jahren nicht nur musikalisch sondern auch freundschaftlich eng verbunden bin. Das macht die Sache um einiges leichter. Studieren ist meine Priorität, daran wird sich schnell nichts ändern. Und mit meiner Freundin, das ist Zeitmanagement.Wenn man sich sehen will, dann sieht man sich, auch wenn sie nicht in Tübingen wohnt.

Werfen wir einmal einen genaueren Blick auf dein Album. Du hast viel Zeit damit verbracht die Lieder sorgfältig auszusuchen und ein sehr homogenes Album geschaffen. Mehr als zwei Jahre warst du an diesem Projekt dran. Was war im Nachhinein die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung war sicherlich das Zeitmanagement. Da Jan in Berlin studiert, aber das Studio in Gießen war, mussten wir immer sehr genau schauen, wann wir gemeinsam im Studio sein konnten. Das hat vor allem viel Nerven gekostet, weil Takes dann nicht eben sofort wieder aufgenommen werden konnten. Das hat vermutlich den Ausschlag für die doch lange Zeit gegeben. Und da wir ein Dreierteam sind und von Anfang auch das Projekt als gemeinsames Projekt bezeichnet haben, ist es natürlich auch keine Überraschung, dass dann auch oft unterschiedliche Meinungen aufeinander geprallt sind. Da musste jeder auch mal zurückstecken. Aber wenn man dann endlich fertig ist, dann vergisst man so was schnell.

Gibt es ein Vorbild für dich, eine Band oder ein Künstler welchen du als sinnstiftend für dich empfindest?

Also gesanglich war mein Vorbild immer schon Craig David. Da ich immer noch sehr gerne R’n’B mache und in Gießen u.a mit meinen Kumpeln Zampano, oder Bobby Geroon und Raúl vieles in die Richtung gemacht habe und auch so musikalisch angefangen hatte, hat Craig David mir schon von Anfang die Richtung vorgegeben. Die Art und Weise seiner Stimmbeherrschung und seine stimmlichen Vielfalt ist unglaublich. Bands gibt es viele, aber als Artist hat es mir vor allem John Mayer angetan, obwohl ich von meinem Gitarrenspiel nicht ansatzweise an ihn herankomme. Ich sehe mich eher als Sänger denn als Gitarrist, aber das wird hoffentlich noch. Ansonsten Kings of Convenience, Bombay Bicycle Club und The Roots.

Dein Album ist schon sehr klar in die Kategorie Singer/Songwriter einzuordnen. Ist das auch für dich das Genre in welchem du dich einordnen würdest?

Vom Ursprung her schon, vor allem Sound of Home(Single) ist klar in dem Genre zu verorten. Aber generell tue ich mich schwer damit, meine Musik zu kategorisieren. Es gibt mit Raindrops einen Titel, der eher in die R’n’B Richtung geht, dann mit Never, der eher rockiger ist. Schwer zu sagen, aber um den Fragen auszuweichen, ist Singer/Songwriter das einfachste. Aber generell bevorzuge ich einfach die Phrase, dass ich als „Singer/Songwriter“ unterwegs bin. Was für Songs man schreibt, das kommt dann meist auch auf die Atmosphäre oder die Erfahrungen an, die ich in dem Moment verarbeiten möchte. Manchmal möchte ich eher Folk machen, manchmal bisschen mehr Funk, manchmal nur R’n’B und manchmal eher ruhigere Indie-Sachen.

Was würdest du sonst gerne mal für Musikrichtungen ausprobieren?

Also ich würde sehr gerne in die Neo-Soul Richtung gehen. Stimmlich fühle ich mich da am wohlsten und kann auch aus meiner Stimme das meisten heraus holen. Vielleicht sowas wie D’Angelo, Maxwell oder Miguel, aber immer noch mit Gitarre.

Das Album hört sich nach harter und ehrlicher Handarbeit an. Wie habt ihr das Album produziert und wie muss man sich diesen Prozess vorstellen?

Das Album wurde vor allem bei mir in Gießen aufgenommen. Mein Kumpel Dominik Dörfler hat bei Mike’s Music Records die Möglichkeit, das Studio für seine Projekte zu benutzen, daher hat wir den Kostenfaktor schon mal außen vor. In unserem Fall lief es meistens so ab. Ich habe erstmal die Gitarrenspuren aufgenommen, mein Kumpel Jan in Berlin oder eben im Studio die Drumtakes, und dann haben wir nach und nach jedes einzelne Puzzlestück zusammengefügt, und fertig war der Song. Da wir alle gemeinsam im Studium natürlich auch viel zu tun haben, hat das sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Aber so haben wir über die zwei Jahre jeden einzelnen Song aufgenommen, außer den Song „Yalan“, den wir bei mir im Keller, im sog. „Türkischen Keller“ aufgenommen haben. Da waren wir wirklich drei Tage im Keller und haben vom Songwriting bis zum fertigen Song alles gemeinsam erarbeitet. Das war harte Arbeit, hat aber auch am meisten Spaß gemacht.

Wenn du dein Album mit einem Adjektiv beschreiben müsstest, welches würdest du wählen?

Ehrlich.

Du hast mal in einem Interview gesagt, dass das Album auch von Zivilcourage handelt. Glaubst du, dass Musik Menschen zu etwas bewegen kann?

Auf jeden Fall! Musik ist so präsent in unserem Alltag, dass gerade diese einen enormen Einfluss auf unser Denken und unsere Sichtweisen nehmen kann.Die meisten kennen so viele Lyrics auswendig, warum dann nicht auch Lyrics mit Sinn? Mit Tiefgang? Andererseits läuft man natürlich auch Gefahr, durch die Musik instrumentalisiert zu werden. Aber generell bin ich auf jeden Fall der Meinung, dass die Omnipräsenz von Musik Menschen beeinflussen kann, und warum dann nicht auch dieses Medium nutzen, den Menschen einen Denkanstoß mitzugeben?

Woher nimmst du deine Ideen für die Musik?

Erfahrungen! Die meisten Ideen für Songs habe ich durch spontane Eindrücke aus dem Balkan und aus Albanien. Sei es an der Grenze zu Montenegro, im Bus in den Kosovo oder einfach beim Wandern in Mazedonien. All diese Orte haben es verdient, darüber geschrieben zu werden, weil sie mich zu der Person gemacht haben, die ich heute bin. Aber meistens, weil sie mich so sehr bewegt haben, dass der Drang entstand, daraus etwas zu machen. Und so sind u.a Sound of Home, Lost, City Where It Rains, Far Away entstanden.

Du bist zurzeit, so denn es die Uni zulässt, auf Tour. Was war dabei bisher das schönste Erlebnis?

Die richtige Tour fängt erst um September an, aber vermutlich waren es die zufriedenen Gesichter, in die ich manchmal blicke, wenn ich auf der Bühne meine Augen öffne, was ich nicht so oft tue. Das erfüllt mich mit größter Zufriedenheit und signalisiert mir, dass meine Musik berührt und zum Nachdenken anregt. Es gibt nur wenige Dinge auf der Welt, die dieses Gefühl toppen können.

Hast du den Traum vor Augen eines Tages von deiner Musik leben zu können?

Den Traum hat glaube ich jeder! Aber für mich hat die Uni erst mal Vorrang, aber wenn sich was ergibt, dann habe ich immer noch ein Urlaubssemester frei.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei der Tour und mit deinem Album!

5 thoughts on “„All das hat mich zu der Person gemacht die ich heute bin“ – Ein Interview mit Anil Altintas

    • soliveyourlive

      Hey danke dir🙂

      ich habe das Interview in einem Worddokument verfasst und dann eingefügt. Dadurch wurde die Schrift anders angezeigt. Eine andere Möglichkeit dies wieder rückgängig zu machen oder zu verändern ist mir leider nicht gelungen.

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