Der Schulz-Effekt

Da ist sie wieder. Die SPD lebt. An der Basis herrscht seit Bekanntwerden der Kanzlerkandidatur von Martin Schulz nahezu unbegrenzte Euphorie und auch die Umfragewerte suggerieren ein deutliches Erstarken der Sozialdemokraten. So kam es wenig überraschend als am 06.02 publik wurde, dass die SPD erstmals seit Jahren wieder auf einen höheren Umfragewert als die CDU kam (INSA-Umfrage). Doch wie lässt sich das erklären? Wie kann eine einzige Person solch einen Höhenflug einer Partei auslösen?

Eine mögliche Erklärung ist das Neue, das Besondere. Dieses Neue zieht erstmal Interesse nach sich und beschert der SPD damit zusätzliche Medienpräsenz. Aus dieser erhöhten Medienpräsenz folgt schließlich das Gefühl beim Wähler etwas Besonderes als Wahlalternative zu bekommen. Eine weitere Erklärung liegt in der ehemaligen Funktion des Kanzlerkandidaten. Schulz tritt als ehemaliger Präsident des Europaparlaments auf Bundesebene an. Gerade junge Menschen der Generation Erasmus, welche die Vorteile der EU durch einen Auslandsaufenthalt kennenlernen durften, könnten sich von einem glühenden Befürworter der Europäischen Union angesprochen fühlen. Aber auch ältere Wählergruppen könnten in Schulz etwas Vertrautes und Sicherheitgebendes sehen. Einen Politiker, der seine Kompetenz bereits auf der großen politischen Bühne nachgewiesen hat. Abschließend dürfte sicherlich auch die innerparteiliche Uneinigkeit über Sigmar Gabriel eine Rolle spielen. Der neue Außenminister wurde gerade vom linken Flügel der Partei kritisch betrachtet. Mit Schulz steht hier nun ein Kandidat an der Spitze der Partei, welcher für einen Neubeginn steht und der ein Vertrauensvorschuss entgegengebracht bekommt.

Doch wie lange kann der Schulz-Effekt anhalten? Sicher ist, dass sich Schulz erst noch beweisen muss. Sowohl vor der SPD-Anhängerschaft, als auch vor den Wählern. Es wird Momente geben in denen die Erkenntnis reift, dass nicht ein Mann allein die SPD zur stärksten Regierungspartei macht. Es werden Zweifel aufkommen und Ansichten relativiert werden. Es wird daher spannend sein wie geeint die Sozialdemokraten in den Wahlkampf gehen und wie geeint sie auch in schwierigen Zeiten hinter ihrem Kandidaten stehen. Doch im Hier und Jetzt hat die SPD und vor allem Schulz das Momentum auf ihrer Seite. Was die Partei daraus macht, wird sich zeigen.

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